Die Geschichte des Lecker Marktwesens reicht weit zurück: Bereits 1548 erhielt Leck die Marktrechte. Zweimal im Jahr – am Montag vor Pfingsten und am Montag vor Michaelis (29. September) – füllte sich die Hauptstraße mit Händlern und Vieh. Der große Hauptviehmarkt fand traditionell im September statt.
Doch schon lange vor dem halbjährlichen Markt hatte Leck einen wöchentlichen Rhythmus: Im August 1689 stellte der Kirchspielvogt Kirchhoff bei Herzog Christian Albrecht zu Schleswig den Antrag auf Erlaubnis für wöchentliche Märkte. Am 10. Oktober 1689 kam die Genehmigung – und sie sollte die Gestalt des Ortes für Jahrhunderte prägen.
Eine Straße entsteht
Mit dem Marktrecht wuchs Leck. Zwischen den alten Ortskernen Birk und Berg entstand vom 17. bis ins 19. Jahrhundert die breite Hauptstraße – kein Zufall, sondern Konsequenz: Sie war Marktstraße, Handelsachse und Lebensader zugleich. Bis 1716 hatten sich vierzehn Handwerker in der Hauptstraße niedergelassen. Neben der Straße selbst dienten der Platz vor der Apotheke, der Schafmarkt und der Schweinemarkt an der heutigen Ecke Schafmarkt/Hauptstraße dem lebhaften Marktgeschehen.

An Markttagen galt ein besonderes Privileg: Alle Hauseigentümer in der Hauptstraße, die Anbindemöglichkeiten für das Vieh boten, hatten das Schankrecht. 1835 gab es bereits zehn Krüge – Leck war an Markttagen ein geschäftiger Ort.

Das Ende der alten Ordnung
1912 erließen die Behörden eine veterinärpolizeiliche Verfügung: Viehmärkte durften künftig nur noch auf geschlossenen Plätzen abgehalten werden – das offene Treiben entlang der Hauptstraße war nicht mehr genehmigungsfähig. Die Umsetzung ließ sich noch einige Jahre hinauszögern, doch am 30. Mai 1928 wurde die Verfügung erneuert und war nun zwingend umzusetzen.
Am 21. September 1928 beschloss die Gemeindevertretung schließlich den Bau eines neuen Viehmarktplatzes. Die heutige Marktstraße wurde gepflastert, ein Wiegehäuschen und eine Markthalle gebaut. Die Gemeinde hatte den Eesacker zum neuen Viehmarktplatz ausgebaut.

Ein neuer Platz – und ein langer Abschied
Am 22. April 1930 fand der erste Viehmarkt auf dem neuen Platz statt. Jahrzehnte lang prägte er den Rhythmus des Lecker Handels – bis 1975 der wöchentliche Viehmarkt mangels Nachfrage eingestellt wurde. Der Platz wurde nach und nach umgestaltet und dient heute hauptsächlich als Parkplatz.
Nur der Jahrmarkt erinnert noch an die alte Tradition: Er findet nach wie vor zweimal im Jahr statt – so wie die Märkte einst, als Leck noch Hauptstraße und Nebenplätze mit Leben füllte.
Im April 2023 wurde an der Hauptstraße ein kleines „Denkmal“ aufgestellt: zwei Kühe und ein Schild – eine stille Erinnerung an Jahrhunderte Lecker Marktgeschichte.