Das Amtsgericht in der Kirchhofstraße
Leck blickt auf eine lange Tradition als Gerichtsort der Karrharde zurück – und als 1867 eines der neuen Amtsgerichte eingerichtet wurde, war die Erleichterung in der Gemeinde groß. Mit Jacob Peter Stolz, dem bisherigen Hardesvogt, wurde gleich der erste Lecker Amtsrichter berufen. Zunächst behalf man sich mit einer Mietlösung: Amtsgericht und Gefängnis wurden im Gebäude Hauptstraße 35 untergebracht.
Doch ein provisorischer Mietvertrag konnte auf Dauer keine Lösung sein. Leck brauchte ein eigenes Gerichtsgebäude.
Verhandlungen, Kompromisse und ein glücklicher Ausgang
Im März 1879 begannen die Gespräche zwischen der Gemeinde und Kreisgerichts-Direktor Bong-Schmidt aus Flensburg. Zunächst favorisierte dieser eine Toft – ein altes Hofgrundstück – am Rande des heutigen Viehmarktplatzes, in der Nähe der Wohnung von Amtsrichter Stob. Man einigte sich schließlich auf den gemeindeeigenen Bauplatz am Ende der Hauptstraße bei der Friedenseiche: vier Parzellen, auf einer davon das baufällige alte Spritzenhaus.
Die Verhandlungen gestalteten sich zäh. Das Justizministerium hielt die vorgesehene Miete von 6 % der Baukosten für zu hoch, und zwischenzeitlich schien es sogar, als könnte Leck das Amtsgericht gänzlich verlieren – eine Aussicht, die die Gemeindeväter zu erheblichem Entgegenkommen bewog.
Neue Pläne, neuer Bauplatz
1880 änderte die Gemeindevertretung ihre Meinung zum Bauplatz, wohl weil Lecker Bürger reges Interesse an den Grundstücken bei der Friedenseiche gezeigt hatten. Die Gemeinde verkaufte sie 1881 als Baugrundstücke – zusammen mit einem weiteren Grundstück an anderer Stelle. Der Erlös von insgesamt 6.200 Mark floss nach einem genauen Schlüssel in das Projekt: 825 Mark für den Umbau des Spritzenhauses, 975 Mark für den Ankauf des neuen Bauplatzes in der Kirchhofstraße und 4.400 Mark als Beitrag zu den Baukosten. Die restliche Summe – nach einem Kostenvoranschlag des Kreisbauinspektors Treede aus Tondern beliefen sich die Gesamtkosten auf 35.000 Mark – wurde durch eine Anleihe von bis zu 28.000 Mark gedeckt.
Grundsteinlegung mit Musikkapelle
Im Juni 1881 wurden die Arbeiten vergeben. Am 1. Juli feierte die Bevölkerung auf ihre eigene Weise: Die Gemeinde hatte keinen offiziellen Festakt vorgesehen – also organisierten die Lecker kurzerhand selbst einen. Musikkapelle und Gesangverein, der an diesem Abend ohnehin Übung hatte, trafen sich spontan an der Baustelle. Anschließend blieb man noch lange fröhlich in Lützens Konzertgarten beisammen.
Das fertige Gebäude war ein schmuckloser Zweckbau – aber er erfüllte seinen Zweck für fast ein Jahrhundert. 1974 wurde er im Zuge der Neuordnung der Amtsgerichtsbezirke abgerissen.
Heute ist das Amtsgericht in Niebüll ansässig.

Das Gefängnis an der Norderbergstraße
Auch das Lecker Gefängnis fand zunächst keine eigenen vier Wände: Wie das Amtsgericht war es zunächst im gemieteten Gebäude in der Hauptstraße untergebracht. Erst 1886 erhielt es einen würdigeren – wenn auch nicht minder nüchternen – Standort: Ein neues Gefängnisgebäude wurde in der Nähe des Gerichtes an der heutigen Norderbergstraße errichtet.
Über sechs Jahrzehnte lang erfüllte es seinen ursprünglichen Zweck. 1950 endete die Geschichte des Gebäudes als Haftanstalt – und es begann ein zweites Leben als Heimat der Lecker Bücherei, die hier jahrelang ihren Standort hatte.
1984 fiel auch dieses Gebäude dem Abriss zum Opfer und musste einem neuen Straßenzug weichen.
Die historischen Aufnahmen dieses Ortes stammen aus dem Archiv der Familie Hemstedt – ein weiteres Mal ist es ihrem fotografischen Erbe zu verdanken, dass Lecker Geschichte sichtbar bleibt.